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Es begann mit dem Anflug auf New York JFK Airport.
Aus dem Cockpit die Information, dass wir auf Grund von Schlechtwetter
nördlich von N.Y. für ca. 15 min warten müssten. Es wurden 35min daraus,
dann meldete sich wieder der Captain mit der Information, dass man die
Gurte festziehen solle und sich auf einen sehr unruhigen Anflug
vorbereiten solle - die Flugzeuge vor uns hatten starke Turbulenzen
gemeldet. Noch über 200km/h Wind in 1.000m Höhe und Böen mit Spitzen von
über 100km/h am Boden. Was dann kam, könnten Szenen aus einem Actionfilm
sein. Die mächtige Boeing 767 wurde hin und her geschleudert, sackte
durch, die Triebwerke heulten auf. Auch, oder vielleicht gerade als
Pilot wusste ich, dass die Situation nicht ohne war. Die Kinder an Bord
fingen zu weinen an und einige Frauen kreischten, während sich die
meisten Männer in die Armlehnen verkrallten. Kurz vor der Landung noch
extreme Erschütterungen, man konnte sehen wie das Wasser auf der Piste
vom Wind vertrieben wurde, und sich kleine Seen mit Wellenbergen neben
der Piste gebildet hatten. Es war mehr ein Aufschlag als eine Landung -
danach Partystimmung an Bord: Jubel, Applaus und Gejohle. Brav sagte die Cabincrew ihr Sprüchlein auf: „Hoffte
Sie hatten einen angenehmen Flug
und wir wünschen schönen Aufenthalt oder guten Weiterflug." Eigentlich ein
Hohn! Draußen tobte der Weltuntergang. Auch an der Parkposition wackelte
und schaukelte der Flieger wie ein Boot auf hoher See.
Bei der „Immigration“ bildeten
sich die erwarteten Schlangen, doch nach gut einer halben Stunde war auch
ich eingereist mit Fingerabdruckcheck jedes Fingers beider Hände. Das
Schlechtwetter hatte auch das Ausladen des Gepäcks verzögert, und so
dauerte es nochmals 20min bis sich das Förderband in Bewegung setzte.
Jetzt nur noch die Custom/Border-Control - und dann ist es geschafft.
Am Schalter für die Anschlussflüge
hatten sich ebenfalls lange Menschenschlangen gebildet. Eine Dame vom
Flughafen fragte, wo ich denn hinwolle. Als sie Dallas hörte, meinte sie,
dass wohl auch dieser Flug gestrichen worden wäre und ich möge mich
direkt an Delta im nächsten Terminal wenden. Als ich erstmals New Yorker
Luft schnupperte, wehte mir diese feucht und dreckig um die Ohren, dass
ich mich in den Wind stemmen musste, um nicht ungestoßen zu werden. Ich
entschied mich lieber mit dem AirTrain die eine Station zu fahren, denn
es flogen nicht nur Dreck und Abfall durch die Luft, auch große Werbeschilder und
ganze Container segelten vorbei.
Bei Delta Airlines war das blanke
Chaos ausgebrochen. Auf der Anzeigetafel der Flugübersicht eine
lange Reihe von großen roten Lettern „CANCELLED“. Den rund 500
Passagieren standen eine handvoll Agents hilflos gegenüber. Nach über
einer Stunde war ich an der Reihe.
Der Agent schüttelte
den Kopf und meinte nur „No way, all flights are cancelled and tomorrow
is also full. I can put you on the flight Monday afternoon.”
Mein Bitten half nichts, ich war wie hunderte anderer Passagiere in New
York gestrandet. Er meinte, ich sollte mir lieber
noch rasch ein Hotel suchen, denn die Zimmer sind sicher bald alle weg
und es geht heute kein Flug mehr raus.
Natürlich war die Hotelinformation
wieder in einem anderen Terminal, dies war aber nur zu Fuß und im Freien
zu erreichen. Mir kam vor als, hätte der Sturm noch weiter an Intensität
zugenommen. Beim Hotel Information Services war ein (1!) Mann
für alle Hotelanfragen verfügbar. Ich ergatterte eines der letzten
Zimmer für happige $ 202,- Um zum Hotel zu gelangen, musste ich erst
den Platz erreichen, wo die Shuttlebusse abfahren. Das bedeutete mit dem AirTrain
5 Stationen bis Federal Circle fahren, und sich dann im Freien zum
Kreisverkehr zu begeben. Dort das zu erwartende Bild: Rund 50 Menschen
warteten auf die Busse der Hotels. Kaum bog ein Minivan um die Kurve,
stürmten die Menschen samt Koffer und Trolly aus den windgeschützten
Ecken auf das Fahrzeug mit Platz für max. 7 Passagiere zu. Es dauerte eine
Weile, bis ich meinen Platz ergatterte. Warf den Koffer in den Laderaum
und klettere hinein. Ein Mädel machte sich klein, damit der Fahrer nicht
merkte, dass nun eigentlich schon 9 Leute zusammengequetscht in den zwei
Reihen saßen.
Die letzte Schlange mit Anstellen und
Warten für diesen Tag erlebte ich beim Hotel-Checkin. Denn immerhin waren
die Passagiere der vorherigen Busse noch nicht eingecheckt. Eine
Angestellte war permanent damit beschäftigt das Telefon abzunehmen und
ihr Sprücherl aufzusagen: “Sorry, we are fully booked. No, we have no
rooms available.“
Zumindest hatte ich mein Bett! Im
Zimmer schaltete ich gleich mal die Heizung auf high und hing meine
Hose, Jacke, Pulli und Kapperl zum Trocknen auf. Nach wenigen Stunden
Schlaf fasste ich den Entschluß nicht bis Montag Nachmittag warten zu
wollen. Ich buchte mir € 10,- auf mein Skype-Konto, aktivierte den
Laptop und legte los. Bei Delta Airlines war kein Durchkommen möglich.
Stattdessen nur die Ansage, dass es aktuell zu extrem hohen
Anrufsvolumen käme, und die Wartezeiten länger sind, als sie es sich für
ihre Kunden wünschen würden.
Mir war klar, dass all die
Passagiere, deren Flug schon vor mir gestrichen wurde bereits auf die
Flüge der nächsten Tage umgebucht wurden und sich über Nacht daran
nichts geändert haben würde. Mit Delta war vor Montag Nachmittag kein
Flug möglich. Auf eine andere Airline umzubuchen verweigerte der Delta
Mann bereits am Schalter beharrlich. Ich googelte mir mögliche Flüge und
entschied mich für US-Airways von Laguardia und buchte mir einen Platz via
Washington nach Dallas.
Beim Frühstück ergab sich eine
witzige Situation. Eine Lady vom Personal meinte, dass „breakfast is
over at 10“ worauf ein Mann meinte, wegen der Zeitumstellung sollte sie
heute doch eine Stunde länger machen? Ähm, what?! Ja, in der Nacht
wurden in Amerika die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Good to know,
thank you! Der Radiowecker am Zimmer hatte diese Umstellung natürlich nicht
mitgemacht.
Beim Checkout im Hotel ließ ich mir
die unterschiedlichen Wege mit Shuttle-AirTrain-Zug oder die Option $
30,- für ein Taxi zum Airport erklären und entschied mich heute fürs
Taxi. Ein Mann checkte mit seinem Sohn gerade aus und fragte an der
Rezeption nach demselben Weg. Ich schlug ihm vor, das Taxi zu teilen und
so kostete die Fahrt nur $ 15,- pro Nase. Der Taxifahrer aus der Karibik
machte eine Sightseeing Tour daraus und zeigte mir wo "King of Queens"
gedreht wurde und die UFO-Startplattform vom Film „Men in Black“.
Am Airport erfuhr ich, dass ich zwar
ein Ticket für mich, aber für mein Gepäck nochmals $ 25.- zahlen musste:
ritsch-ratsch und die Kreditkarte war belastet. „Sorry, nothing is
for free ... anymore.“, lächelte müde die ältere Dame am Checkin.
Bei den Gates für den Flug nach
Washington D.C. das gewohnte Bild. Menschenmassen und Anzeigetafeln mit
DELAY und CANCELLED. Am Desk direkt beim Gate erfuhr ich, dass ich
diesmal gute Chancen hatte, denn immerhin hatte ich es auf der
Standby-Liste auf Platz 1 geschafft. Ich bekam auch tatsächlich ein
Ticket und war heilfroh endlich aus New York rauszukommen. Als es an der
Zeit zum Bording war, und sich die Menschen schon am Ausgang drängten,
ertönte die Durchsage, dass der Flieger D.C. noch gar nicht verlassen
hätte, und schwups war erneut eine Stunde dahin. Der Flieger kam, das
Gedränge wurde noch heftiger und die Stimmung gereizter. Als ich am
Rucksack des Typen vor mir ankam, drehte sich dieser wütend um und
schnauzte mich an: „We are also trying to get on that fu**ing plane.“
Als ich in der vorletzten Reihe Platz nahm, war es mir schon um einiges
leichter. Endlich weg von N.Y. nur raus aus dieser Stadt, um die sich die
Schlechtwetterfront im Kreis dreht. Das Mäderl neben mir hatte auch eine
Odysee hinter sich und war auf dem Weg zu ihrem Freund. Am Ende ihrer
Geschichte meinte sie: „And that all just to see a boy ;-)“
In Washington lief dann schon alles
routiniert ab. Raus aus dem Flieger - von einem Teil des Terminals zum
anderen. Dort wieder Sicherheits-check, obwohl man nur von einem Gate zum
anderen gegangen war. Laptop in einen extra Tray, alles ausziehen und
zusammenlegen, Schuhe aus, Gürtel raus, Bordingpass in die Hand, warten
bis der TSA-Officer einen durch den Detektor winkt und dann in
umgekehrter Reihenfolge wieder alles zusammenbauen.
Der Flieger nach Dallas war dann
ungewöhnlich leer. Nach den Menschenansammlungen und chaotischen
Zuständen von N.Y. war dies richtig eine Abwechslung und Erholung. Nach
Dallas ging es dem Sonnenuntergang hinterher in die Nacht hinein. Wieder eine
Stunde Zeitumstellung. Als ich dann erschöpft und erleichtert mit ein-einhalb
Tagen Verspätung ins Hotel stolperte, empfing mich lächelnd das Mädel an
der Rezeption, als ob wir uns seit Jahren kennen würden: “Oh!
Hallo
Robert, you finally made it! Great to see you… I’ve upgraded you to one
of the suites on the top floor.”
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