Aber gerade das Rollen am Boden,
speziell wenn am Ende der Piste nach einer Landung für den nächsten
Start umgedreht werden musste, und all die Runwaylights
vorbeiruckeln, löst dies leicht Schwindelgefühl aus, denn der SIM
kann diese Bewegung (Drehen um die Hochachse) nicht nachvollziehen,
und somit entsteht die klassische Situation: Auge sieht Bewegung,
Gleichgewichtsinn im Ohr meldet: Wir stehen still! Diese
unterschiedlichen Infos mag unser Gehirn gar nicht und wehrt sich
mit Schwindelgefühl.
Tag 2 im SIM – Schluß mit lustig
- jetzt läßt Instructor Dan die Systeme der Reihe nach ausfallen. Wie zu
erwarten, schon bei den ersten Pre-Flight-Checks fällt mir eine nicht
funktionierende Pitot-Heat auf. Beim Anlassen des ersten Triebwerks die
nächste Situation, das Triebwerk läuft heiß „we have a hot start“, und
rasch bevor die Engine abbrennt, die Treibstoffzufuhr kappen.
Heute fliegen wir von Amsterdam nach
Rotterdam, um auch einen ganzen Flug von A-Z zu simulieren. Take-off in
EHAM (Amsterdam) Runway 36C, die Departure Route ohne FMS entsprechend der
DME Distances und NAV-Radials abfliegen.
Dann wieder die
Steep-Turns, Stall Exercise (Clean, Flaps° + Bank 20°, Landing) und ILS
36C, circle to land 18C.
Wohl kaum ein Procedure, welches im wirklichen Amsterdam (nach wie vor
einer der größten Airports der Welt) erlaubt wäre ;-)
Dann ein Own-Lineup (full reversal procedure).
Der Glide-slope ist ausgefallen, und so wird es kein ILS, sondern nur ein
LOC 18C Approach. Am Minimum keine Sicht, also Missed-Approach. Der
zweite LOC 18C Approach mit Vectors, und das Wetter hat sich gebessert, dafür fällt
die komplette Hydraulik aus. Das wird also eine Flaps-up Landing, mit
Emergency Gear Extension und Emergency-(Air)-Brakes.
Der „Right-Seater“ (am Kopiloten-Sitz)
für diesen Tag ist kein Learjet-Pilot, sondern lediglich ein
Freiwilliger, mit SIM-Erfahrung. Doch Dan meint dazu nur: „That is a
good experience for you anyway, you never know, who will sit next to you
;-)” Also, der Kollege rechts war bemüht die richtige Checkliste zu
finden und fummelte nervös an den Switches umher.
Ich wurde deutlicher
und gab klare Order aus: „Okay listen: It is not working that way. I ask
ATC for delay vectors and we will make that checklist together. We are
not in a situation, where we immedeatly have to land!”
Also gingen wir alle Items der Checkliste durch und ich
landete in aller Ruhe. Im De-Briefing lobte mich Dan für mein “Leadership
in that situation”.
Der
nächste Take-off: Ich scherze zu Right-Seater John: „Okay, in the
very very unlikely event of an Engine failure I like you to do….“.
Es kam - wie unschwer zu erraten war - Engine
Fire am Start (vor v1) mit Startabbruch. Dan wollte und bekam zu sehen,
dass ich die Evakuierungsprozedur (Memory Items = ohne Checkliste)
abhandelte. Es lief alles bestens - im De-Briefing musste er mich darauf
aufmerksam machen, dass die Checkliste auch vorsieht, nach dem Engine-Shutdown
und der erfolgreichen Brandbekämpfung auch den Fire-T-Handle des
Triebwerks zu ziehen, welches gar nicht brennt. Nur 99% richtig gemacht,
ärgerlich ;-)
Ein Druck auf den Resetknopf am
Instructor-Pult und der Flieger steht wieder auf der Startbahn, als ob
nichts vorgefallen wäre. „Let’s have another take-off“, meinte Dan, als er
den Sim für die nächste Übung vorbereitete. Jetzt fällt das Triebwerk
etwas später aus, und es muss der Takeoff durchgeführt werden (Engine Failure after v1). Ich muß das Pedal ganz durchdrücken und mich in den
Pilotensitz pressen, um den Flieger auf Kurs zu halten.
„Positive rate! Gear
up - v2 - give me speedmode and full left rudder“.
Weiter steigen mit v2 bis 1.500ft. Dan verrät mir, dass
ich versuchen soll auch mit dem rechten Fuß Druck auf das linke
Seitenruder auszuüben, um den linken Oberschenkel zu entlasten.
„Great idea, Dan!“ Mein
Oberschenkel hatte schon zu zittern begonnen.
„Keep the ball
centered!“.
„John, get the Checklist for Engine failure after v1 and inform ATC that
we need to reland!” Der arme
John war damit beschäftigt mir zuzusehen, und starrte auf die
Instrumente.
„JOHN! Call ATC and the Checklist – P..L..E..A..S..E!“
In der Zwischenzeit hatten wir die
angestrebten 1.500 ft erreicht, wir beschleunigten – „Flaps up“ und
Gas sowie Seitenruder konnten reduziert werden. Es folgten Vectors
zum ILS, und wieder einmal war das Wetter „below Minimum“, und so musste ich einen „Single Engine Go-Around fahren“.
Beim 2. Anflug war
das Wetter besser – zur Single-Engine-Landing.
Nächster SIM-Tag: Wieder 4
Stunden lang ein Approach und Emergency nach dem anderen. Ich
war gut darauf, und alles lief wie am Schnürchen, obwohl heute als
Steigerung auch der Flight-Director ausgefallen war (Autopilot gab
es sowieso nie). Wieder ein neuer Mann am rechten Sitz,
und auch diesmal hielt sich die Unterstützung in Grenzen,
doch es lag nicht an ihm…
Zum Höhepunkt kam
nochmals alles beim Checkflug zusammen:
-
Take-off bei Maximalgewicht,
dann gleich Engine Failure (short after v1)
-
Single Engine ILS Approach
down to Minimum
-
Natürlich kein gutes Wetter
und Missed Approach mit einem Triebwerk
-
Wie gesagt alles raw-data
(ohne Flight Director oder Autopilot)
Und dann tippte
Jim, (am Tag 3 kam Instructor und Examiner Jim), dem Kopiloten auf
die Schulter:
„Robert, did you noticed, your Co-Pilot just
passed out… so he is no longer a help for you – what are you
doing?”
Mein erster Gedanke: “Na wenigstens muss ich nicht
mehr aufpassen, was er anstellt, und ich kann mich aufs Fliegen
konzentrieren…” Mit der rechten Hand
tastete ich mich zum Gurtstraffer des Kopilotensitz und fixierte den
Mann. „I
don’t want him to fall forward!“ – „Good idea! I am a passanger -
should I move him out off the seat?“ “NO! Leave him there! This
would
cause more problems.” - “Okay, I am the passanger, can I help you?”
- “Take the Checklist and read what you find under Engine Failure
during Flight”
Jim las vor und spielte dann den nervösen und
neugierigen Passagier: “What is a YAW-Damper?” - “I will explain this
to you when we are on the ground. Please sit down now, fasten your seat
belt and be quiet for the moment. Thank you, sir!” “Very good,
Robert – there is really nothing I can do - to turn your attention
away. But remember,
that can happen in real life.”
Also funk ich selbst mit ATC, lass mich heranvectorn, halte den Single-Engine Flieger auf Kurs und balanced,
gehe im Kopf die Checklisten durch und sage sie mir selbst laut vor,
fahre Fahrwerk und Klappen aus und gehe runter aufs Minimum. Mein
Prüfer ist
gnädig zu mir, und bei 220ft über der Piste tauchen die Lichter der
Landebahn auf, und ich setze den Flieger sauber hin.
Examiner Jim war voll der
Hochachtung und klopfte mir auf die Schulter: “Captain, you
really did a
great job - that was an outstanding performance!” Auch der
Kopilot
war wieder erwacht, drehte sich zu mir und nickte anerkennend!